Lokales

Bücher stehen einmal im Monat im Fokus

Hameln (mes). Vom Klassiker bis zur modernen Geschichte, von großen Schriftstellern bis hin zu aktuellen Neuentdeckungen – wer das Literatur-Café besucht, dem wird eine wohldurchdachte Auswahl lesenswerter Bücher nahegebracht. Vor 25 Jahren versammelte sich ein Kreis von Literaturinteressierten in Hameln und dem Umland zum ersten Mal im Gemeindesaal des Münsters St. Bonifatius. Bis heute ist das kulturelle Angebot bestehen geblieben – dank des Engagements vieler Ehrenamtlicher. Die Teilnehmer treffen sich monatlich zum Diskutieren und feierten gestern ihr 25-jähriges Bestehen.

Monika Cramer, Dipl. Bibliothekarin, gründete das Literatur-Café und leitete es bis 1997. Um auf das neue Angebot aufmerksam zu machen, wurde das Vorhaben im damaligen „Münsterboten“ veröffentlicht (heute: „Mittendrin“), in dem es hieß: „Im Januar 1987 soll nun das geplante ‚Literatur-Café‘ in unserer Gemeinde ‚eröffnet‘ werden. Wir laden herzlich zu dem 1. Treffen ein, das am Dienstag, dem 27. Januar 1987, um 17 Uhr (bis 18.30 Uhr) im Gemeindesaal am Münsterkirchhof 10 stattfindet.“ Es sollte jeweils ein literarisches Thema im Fokus stehen, über Autoren oder ein bestimmtes Buch diskutiert werden, aber vor allem wollte man sich über die individuellen Leseerfahrungen austauschen. Die erste Neugier wurde bei so manchem Bürger geweckt – das allererste Buch, das gelesen wurde, hieß „In den Netzen der Erinnerung“ von Carola Stern.

Für Monika Cramer war jedoch von Anfang an klar: Sie würde das Café zehn Jahre lang leiten, nicht länger. Und so kam es, dass 1997 neues Engagement gefragt war. Gerd Scheunpflug, damals Kirchenvorständer in der Münster-Gemeinde, erklärte sich bereit, die Organisation fortan zu übernehmen. Als Referentinnen konnte er die Dipl. Bibliothekarinnen Gertraude Kämpf und Brigitte Schulz gewinnen. „Ich wollte auf das Angebot, auf die Zusammenkünfte nicht verzichten“, begründet Scheunpflug seine Entscheidung. Immerhin sei es für durchschnittlich 20 bis 25 Leute pro Treffen eine Attraktion in der Gemeinde.

In den vergangenen Jahren und nach 175 besprochenen Romanen habe er viele neue Erkenntnisse erfahren: Die schwierigsten Bücher ergeben meist die interessanteste Diskussion. Und: Männer lesen und reagieren ganz anders als Frauen. „Die eineinhalb Stunden in unserem Kreis sind mehr, als nur ein Buch gelesen zu haben. Es versüßt das Leseerlebnis“, erzählt er enthusiastisch. Zu seinen Lieblingswerken zählt „Avenue America“ von Silvio Blatter.

Die Bücher, über die diskutiert wird, werden sorgfältig ausgewählt. Meist sind es prämierte Werke, und mehr als rund zehn Euro sollten sie auch nicht kosten. Stöbert man in den Listen aus den vergangenen 25 Jahren, so stößt man auf eine bunte Palette von Lesestoff: „Die Perle“ von John Steinbeck, „Momo“ von Michael Ende, „Mephisto“ von Klaus Mann, „Ich bin eine Frau aus Ägypten“ von Jehan Sadat, „Dem Rad in die Speichen fallen“ von Dietrich Bonhoeffer, „Cecile“ von Theodor Fontane, „Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte“ von Paulo Coelho, „Maria, ihm schmeckt‘s nicht“ von Jan Weiler, „Mrs. Dalloway“ von Virginia Wolf, „Drachenläufer“ von Khaled Hosseini, „Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Mercier, „Das Geheimnis des Kalligraphen“ von Rafik Schami. Das erste Werk, das im ersten Halbjahr 2012 ansteht, ist „Accabadora“ von Michela Murgia. Ein Buch, auf das sich Gerd Scheunpflug freut. „Aber es ist ein mutiges Thema“, räumt er ein, „es geht um Sterbehilfe.“

Für Scheunpflug steht fest: „Ich leite das Literatur-Café, solange wie ich kann!“ Für ihn sei das Angebot ein Gewinn.

Literatur-Café besteht seit 25 Jahren in Hameln

Artikel vom 31.01.2012 - 16.39 Uhr
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