Lokales

Hochzeitshaus erlebt sein „blaues Wunder“

Hameln (geö). Der Mann, der dem seit vier Jahren verwaisten Hochzeitshaus wieder Leben einhauchen möchte, war in persona nicht anweisend bei der Vorstellung seines Projekts. Doch via Skype vermochte der derzeit sich in Vietnam aufhaltende Unternehmer Hans-Jörg Hamann an der Pressekonferenz teilnehmen, zu der die Hamelner Marketing und Tourismus GmbH (HMT) eingeladen hatte. Nach Jahren des Leerstandes präsentierte HMT-Chef Harald Wanger mit Hamann einen Mieter für das Erdgeschoss des Renaissancebaus im Herzen der Stadt. Ab dem 1. April wird dort eine ungewöhnliche Ausstellung installiert: Unter dem Titel „Der Umweltschrei“ gehen Kunst, Umwelt und Ökologie unter dem Dach des Hochzeitshauses eine exotische Verbindung ein. Im Mittelpunkt steht das wohl beliebteste Kleidungsstück der Welt: die Jeans.

Doch die Kreation, die Hamann und sein Team vorstellen wollen, ist ein neues „blaues Wunder“: eine im Gegensatz zur herkömmlichen Fabrikation zu 100 Prozent abwasserfreie und CO2-neutral hergestellte Jeans. Aus den bei der Produktion anfallenden Restsubstanzen werden zudem neue Malfarbsubstanzen gewonnen, mit denen Künstler in innovativen Techniken Gemälde malen und gestalten können. Weltweit einzigartige Kunst- und Designerjeans, Gemälde und Plastiken sollen im Hochzeitshaus ab Anfang April bis Ende des Jahres zu sehen sein. Zugleich plant Hamann eine Reihe von Aktionen, will Akteure vor Ort einbinden und für sein Projekt begeistern. Hinzu kommen Fachvorträge, Lesungen und öffentliche Diskussionsrunden zum Umweltschutz. Die Dauerausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt eines Ökoteams aus ambitionierten Wissenschaftlern, Designern und Künstlern mit ausgefallenen Exponaten im Hochzeitshaus. „Wir planen zum Beispiel Modenschauen im Wettbewerb mit herkömmlichen Textilanbietern aus Hameln und Umgebung, aber auch internationalen Marken – und das alles immer in der Interaktion mit dem Endverbraucher“, beschreiben die Initiatoren ihre Ideen.

„Das leere Altstadtjuwel beschäftigte alle Hamelner. Wir sind froh, dass nun endlich wieder die Lichter im Hochzeitshaus angehen und das mit einem originellen und aufrüttelnden Öko-Projekt“, so Harald Wanger. Die Vermietung des Erdgeschosses des Hochzeitshauses liegt künftig in den Händen der HMT. In Kurzzeitvermietungen soll innovativen Ansätzen wie außergewöhnlichen Ausstellungen, kulturellen Angeboten oder besonderer Gastronomie die Chance zur Markterprobung gegeben werden. „Trotz allem sind wir weiterhin an einer Gesamtlösung für das Hochzeitshaus auf einer langfristigen Basis interessiert“, betont Wanger. Man verstehe sich als Dienstleister der Stadt und als Interimslösung, die den schmerzlichen Leerstand des bekanntesten Hamelner Gebäudes ein wenig mildern möchte. Die HMT vermag indes nur das Erdgeschoss zur Vermietung anzubieten. „Die anderen Stockwerke können aus technischen Gründen nicht genutzt werden“, erklärt Volker Mohr, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen bei der Stadt Hameln.

Zu welchen Konditionen der neue Mieter das Erdgeschoss des Hochzeitshauses für sein Projekt nutzen darf, will Wanger nicht offenlegen. Als Richtwert nennt der HMT-Chef, was eine für einen kurzen Zeitraum währende Anmietung des Hochzeitshauses kostet, nämlich 600 Euro pro Woche. Bislang ist noch ungeklärt, wie es nach dem Ende der Ausstellung mit dem Hochzeitshaus weitergehen soll. Eine politische Entscheidung steht noch aus. Immerhin deutet Wanger an, noch zwei weitere Angebote für eine vorübergehende Wiederbelegung des Prachtbaus auf seinem Tisch liegen zu haben.

HMT präsentiert Mieter / Biojeans, Kunst und Aktionen

Artikel vom 24.01.2012 - 16.35 Uhr
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