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Von Schauspielerinnen geküsst, bei Kurgästen stets beliebt

Bei den Kurgästen ist Alan Williams immer beliebt. Foto: Hei

Bad Pyrmont (Hei/nl). Wer kann schon von sich behaupten, in seinem Berufsalltag von einer Filmschauspielerin aus Hollywood geküsst und von einem deutschen Schlagerstar zum Bier eingeladen worden zu sein?! Und wer hatte schon in seinem Job die Gelegenheit, einem ganzen Schwarm hüllenloser hübscher, junger Ballerinen gegenüber zu stehen?!

Alan Williams (64), Waliser von Geburt und Wahlpyrmonter seit vielen Jahren, hat dies und vieles mehr, natürlich auch weniger Spektakuläres, als Angestellter des Staatsbades erlebt. Und das seit genau 25 Jahren.

Alan Williams ist das, was früher im Pyrmonter Volksmund unter „Parkwächter“ lief und beim Staatsbad als „Mitarbeiter Aufsicht / Außendienst“ in der Personalakte geführt wird. Zu seinen Aufgaben gehört die Einlass-Kontrolle bei Veranstaltungen im Konzerthaus oder im Schlosshof ebenso wie die Aufsicht im Kurpark. Er erteilt Kurgästen Auskünfte, überreicht Künstlern Blumen auf der Bühne, ist bei der Vorbereitung von Veranstaltungen im Einsatz, verteilt in der Pause Getränke und am Ende die Garderobe der Gäste.

Und er hat viel erlebt und gesehen im Laufe eines Vierteljahrhunderts im Dienst der Kurverwaltung. Gern erinnert sich Williams an die Zeit, als es im Programm des Staatsbades Kurmusik satt gab. Drei mal täglich ein Konzert, und als ein quirliger Italiener für viele Damen der Traum ihrer schlaflosen Kurnächte war.

Orchesterleiter Mario Traversa erfreute sich größter Beliebtheit beim Publikum. Und die Mitarbeiter des Staatsbades händigten ihm so manches Geschenk aus, das die Fans mitgebracht hatten. „Jeden Sonntag musste ich ihm, immer nach dem zweiten Stück im Programm, einen großen Blumenstrauß von einer bestimmten Verehrerin überreichen. Das war ein richtiges Ritual“, erinnert sich Williams.

Der Kontakt mit bekannten Theaterkünstlern war ebenfalls eine besonders angenehme Aufgabe für die Männer in ihrer schmucken dunkelblauen Uniform. Dabei passierte es dann auch, dass sich Elke Sommer, deutscher Export aus Hollywood, nach einer Boulevardkomödie im Kurtheater mit einem herzhaften Kuss bei Williams bedankte. „Hinter den Kulissen – backstage, wie man heute sagt – waren viele berühmte Stars umgänglich und freundlich. Horst Tappert war einer der Nettesten. Und besonders großzügig zeigte sich Heino. „,Wie viele seid Ihr?‘“ fragte er zu Beginn des Abends und spendierte uns dann einen ganzen Kasten Bier.“

Ein wenig peinlich sei ihm allerdings gewesen, erzählt Williams, als er einmal ganz ahnungslos die Künstler-Garderobe der Damen betrat, um dort etwas zu holen, und er die ganze Truppe des Wiener Ballett-Ensembles, die sich für ihren Auftritt umzog, fast nackt vorfand. „Ich bekam einen roten Kopf und stammelte eine Entschuldigung. Aber die jungen Damen sahen das ganz locker und meinten, das mache doch nichts.“

Auch die festliche Stimmung beim Tanzturnier oder beim MTV-Ball im Konzerthaus gefiel dem Waliser – selbst, wenn der Dienst bei solchen Anlässen manchmal bis zum frühen Morgen dauerte.

Eine andere Nachtschicht erlebte Williams ebenfalls noch: Zwischen elf Uhr abends und sechs Uhr morgens musste, wenn der dafür engagierte Nachtwächter freihatte, einer der Kollegen mit einem Hund Kontrollrunden durch den Park, den Bergkurpark und die Badeeinrichtungen laufen, jede Nacht eine andere Route. „Ich nahm dabei meinen Cockerspaniel mit. Aber bald wurden wir von einer beruflichen Sicherheitswache abgelöst“.

Seit in der Wandelhalle nicht mehr täglich Kurkonzerte stattfinden, hat der Kontakt zu den Gästen etwas abgenommen. Das bedauert Williams. Denn gerade der Umgang mit den Menschen ist es, den der Pyrmonter an seinem Beruf schätzt. Natürlich wurden und werden britische Gäste von seinen Kollegen stets zu ihm geschickt: „Ich erkenne sie von Weitem.“ Verstehen kann er sie aber nur, weil er zweisprachig aufgewachsen ist, mit Englisch und Walisisch. „Walisisch ist eine ganz eigene Sprache und unterscheidet sich vom Englischen so wie das Deutsche vom Chinesischen.“

Seinen Heimatort Bangor, wo er mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist, besucht er heute noch regelmäßig und gern – aber leben möchte Alan Williams nur noch hier. In Bad Pyrmont hat er während seiner Dienstzeit beim britischen Militär in Hameln die Holzhäuserin Annette Fischer beim Tanz in der „Spelunke“ kennengelernt. 1970 wurde geheiratet, und das Paar bekam zwei Töchter.

Rückblickend auf seinen bisherigen Dienst beim Staatsbad, der vermutlich im nächsten Jahr mit 65 zu Ende gehen wird, sagt Alan Williams, es sei eine schöne Zeit und ein vielseitiger Job gewesen.

Kurdirektor Heinz-Hermann Blome lobte seinen treuen Mitarbeiter: „Er ist nicht sparsam mit Freundlichkeit und ist immer sehr beliebt bei den Kurgästen. Blome glaubt, das die militärische Ausbildung von Williams – er war Pionier in der britischen Armee – dazu beigetragen hat, dass „er immer so adrett und zielgerichtet ist“. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Werner Streicher bedankte sich Blome mit Blumen und einer Urkunde bei seinem treuen Mitarbeiter Alan Williams.

Der Waliser Alan Williams ist ein Vierteljahrhundert im Dienst des Staatsbades

Artikel vom 28.07.2010 - 12.04 Uhr
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