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Wo Clementine und Hugo Egon Balder gern Mode einkaufenAstrid Jörg (2. von links) mit ihrem Team von „Bellino“. Sie weiß, was ihre Kundinnen wünschen – ein Erfolgsrezept.
Von Nicole Lödige
Bad Pyrmont. Wenn Astrid Jörg zu erzählen anfängt, dann hört man ihr gern zu, es umgibt sie ein Hauch der großen weiten Welt, denn sie hat sie in ihrem Geschäft „Bellino“ in der Hauptallee von Bad Pyrmont – die Frauen von Welt, die sich gern von der stilsicheren Pyrmonterin einkleiden lassen. Und das bereits seit 25 Jahren.
Astrid Jörg kennt den Geschmack und den oftmals ganz eigenen Stil von bekannten Persönlichkeiten, von Prominenten von Hamburg bis München – die sich aber nicht gern zu erkennen geben. Und ihre Kundinnen müssen keine Angst haben – ihre Geschichten sind bei Astrig Jörg sicher. Denn Namen fallen bei keiner ihrer Geschichten, die die Pyrmonterin mit Herz erzählt. Diskretion ist oberstes Gebot, wenn man die reichen und schönen Frauen einkleidet – und sie hat Kundinnen nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch Stammkunden aus Luxemburg, den USA und seit einigen Jahren auch aus den Emiraten. Und wer nicht mal eben schnell selbst vorbeikommen kann, der bekommt die neueste Mode per Paket zugesandt. „Ich kenne den Geschmack und die Größen meiner Kundinnen. Da liege ich fast immer richtig“, sagt Astrid Jörg stolz.
Nur bei wenigen Menschen macht sie eine Ausnahme und nennt Namen, wenn sie aus dem Nähkästchen plaudert – dann, wenn die Promis bereits tot sind oder wenn sie gern ihren Namen preisgeben. So erzählt sie, dass „Clementine“ (alias Johanna König) aus der Waschmittelwerbung immer gern nach Bad Pyrmont und in ihr Geschäft kam und sich einkleiden ließ. Auch Hugo Egon Balder kommt gern mal in der Hauptallee der Kurstadt vorbei – allerdings immer wieder mit neuen Frauen. „Für ihn habe ich schon mehrere Frauen eingekleidet“, erinnert sich Astrid Jörg gern an den netten Entertainer.
Auf den Titelseiten der Klatschpresse
Als sie dann mal das Boulevardblatt „Frau im Spiegel“ in der Hand hielt, stand Balder gleich mit drei Frauen auf dem Titelbild. „Zwei von ihnen trugen sogar meine Kleider“, freut sich die Geschäftsfrau.
Es ist nicht selten, dass ihre Mode in der Klatschpresse zu sehen ist, denn ihre Kleider sind etwas Besonderes – eben nicht von der Stange. So hat sie schon ganze Hochzeitsgesellschaften ausgestattet – von den Schuhen bis zum Hut. Und als eine Stammkundin aus New York anrief, weil sie etwas ganz Besonderes für eine Adelshochzeit brauchte, traf Astrid Jörg auch hier wieder einmal den Nagel auf dem Kopf. Mit einem Seidenkleid in Orange und Rot zog die Kundin die Blicke bei dem festlichen Anlass auf sich. Bei der Nachfrage, wo man denn so etwas Schönes bekommt, sagte sie, dass das Kleid aus Bad Pyrmont sei. Doch da habe keiner der adeligen Gäste gewusst, wo dies liegt.
Für ihre prominenten Kundinnen fährt die Pyrmonterin auch schon mal einige Kilometer, um pünktlich die Ware abzuliefern. „Eine Kundin rief an und sagte, sie habe am nächsten Tag einen Termin mit dem Dirigenten Daniel Barenboim in Leipzig und brauche dringend noch das passende Kleid. Ich hatte das passende Outfit, aber per Post wäre es nicht mehr möglich gewesen. Also habe ich mich am Abend ins Auto gesetzt und habe es nach Leipzig gefahren“, erzählt Astrid Jörg eine von vielen Geschichten.
Auch die Hamburger Schauspielerin und Bad Pyrmont-Fan Sandra Keck schaut regelmäßig bei Astrid Jörg vorbei und wählt aus der Kollektion aus. Bei vielen Anlässen wie dem Theaterball in Hamburg trug Sandra besondere Kleider aus dem Hause „Bellino“.
Gern erinnert sich Astrid Jörg auch an die Anfänge ihres Geschäftslebens. Die Idee zu dem Geschäft war damals bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Butterkuchen entstanden. „Ich dachte, es müsste bald ein neues Geschäft in Bad Pyrmont geben – exklusive Schuhe und Accessoires. Erst am nächsten Tag wurde mir in vollem Umfang bewusst, zu was ich so auf die Schnelle ja gesagt hatte.“ Da es bei ihr aber kein Zurück gibt, zog sie ihren Entschluss mit allen Anfangsschwierigkeiten und Hürden durch – zum Glück für Bad Pyrmont.
„In dem ersten Paket, das ich damals bekam, waren Luxustragetüten für 4000 Mark. Ich hatte zu dem Zeitpunkt einen super Laden, antike Möbel, teures Verpackungsmaterial – aber nichts zum Verkaufen. So nach und nach kam dann erst die Ware. Und eröffnet habe ich zum Goldenen Sonntag“, erzählt Astrid Jörg. Und daran kann sie sich auch noch genau erinnern: „Mein erster Kunde war ein Zuhälter aus Essen, der teure Nietenstiefel und einen Gürtel kaufte. Ich hatte 500 Mark in der Kasse und das gleich am ersten Tag, toll“.
Geschichten hat die Pyrmonterin viele erlebt, so viele, dass sie eigentlich ein Buch darüber schreiben könnte – ein Buch über 25 Jahre „Bellino“. Und nach dieser langen Zeit spürt die Geschäftsfrau auch eine gewisse Dankbarkeit gegenüber dem Kurort. „Bad Pyrmont ist ein super Pflaster und ich bin froh, hier vor 25 Jahren mein Geschäft eröffnet zu haben“, sagt sie, die sich gern und leidenschaftlich für Bad Pyrmont engagiert.
Dankbar der Stadt und der Kultur
Ihr Jubiläum ist natürlich auch ein Grund zum Feiern. Am kommenden Freitag, 3. September, feiert sie nun mit ihren Kunden und Freunden ab 11 Uhr im Geschäft und auf der Hauptallee. Live-Musik gibt’s tagsüber von Madalina und ab 17 Uhr von der Hamburgerin Sandra Keck und Lena Inter (bekannt aus Kännchen). Und statt Blumen und Geschenke bittet sie um Spenden für die Kultur – für den Förderverein der Theater Companie, deren Vorsitz sie hat, für die Musikschule und für die Musikbad Pyrmont Stiftung. Denn die Pyrmonter Kultur ist ihr wichtig. „Ich bin dem Staatsbad sehr dankbar, denn das tolle Kulturprogramm lockt jedes Jahre viele Gäste und damit auch Kunden an. Die Kultur müsste noch viel mehr vom Einzelhandel unterstützt werden“, sagt sie.
Astrid Jörg feiert 25 Jahre „Bellino“ und kann viele Geschichten erzählen